Sinn = Antwort = Symmetrie

Niklas Luhmann beschreibt Sinn als Universalmedium. Sinn ist ein zentraler Begriff der Systemtheorie und in DGDG Seite 44 ff näher erläutert. Sehr anschaulich auch in „Luhmann leicht gemacht“ MB Seite 108 ff

Erst im Laufe der Beschäftigung mit diesem Thema fiel mir auf, dass Luhmanns zentraler Sinnbegriff mit der „Antwort“ als Ergebnis einer Frage synonymisiert werden kann und letztlich Symmetrien im kognitiven System bildet, die unser Weltbild festigen und uns Menschen Halt geben. Die Suche nach Sinn im Leben ist die Suche nach Antworten. 

Anriss der Definition von Luhmann: Sinn ist allumfassend und wird von psychsichen und sozialen System erzeugt. Sinn ist ein Produkt der Operationen derjenigen Systeme, die Sinn benutzen. Über Unterscheidung und Bezeichnung wird einem Etwas – zum Beispiel einer Information – Sinn zugewiesen.  Alles andere wird als potentielle bzw. virtuelle Information ausgegrenzt. Sinn als Medium schließt aktualisierten Sinn und potentiellen Sinn ein.

Es stellt sich die Frage, wo und wie Sinn im psychischen System erzeugt wird. Denn dort muss Sinn ja „erfunden“ worden sein, da psychische Systeme zeitlich vor sozialen Systemen existierten. Wenn Sinn Ergebnis der Operationen eines Systems ist, dann ist das, was Luhmann als Sinn bezeichnet, im kognitiven System der Lebewesen implementiert. Ich habe den Kognitionsprozessor als operational geschlossenes System beschrieben. Der Operationsmodus „Symmetriebruch“ bzw. Fähigkeit zur Frage ist die (einzige) Operationsweise dieses autopoietischen System. Hier ist die Wurzel dessen, was Luhmann als Sinn bezeichnet, zu finden. Sie verlässt das operational geschlossene kognitive System über die strukturell gekoppelte Sprache und landet letztlich als fragende Kommunikation im sozialen System. Nun können wir alle Luhmann´schen Erkenntnisse über Sinn besser verstehen. Denn Sinn entsteht erst über eine Differenz bzw. über eine Frage. Fragen oder die Fähigkeit zur Frage ist notwendige Voraussetzung für Sinn. Sinn sind demnach ganz einfach (aktualisierte und potentielle) Antworten auf Fragen oder besser die Einheit der Differenz von Frage und Antwort.

Beispiele:

Sinn ist nicht in der Welt, sondern muss über Selektion/Unterscheidung konstruiert werden <=>Antworten müssen erfragt werden.

Jeder Sinn ist widerspruchsfähig <=> Jede Antwort ist anzweifelbar und mehr noch, jede Antwort erzeugt neue Fragen.

Nur Sinnhaftes kann kommuniziert werden <=> Nur was über eine Frage aus dem Kognitionsprozessor in die Welt getragen wird, kann beantwortet werden.

Es gibt keinen Nichtsinn <=> Jede Frage ist möglich und kann beantwortet werden.

Unsinn macht auch Sinn <=> Es gibt den Witz u. a. durch überraschende Antworten.

Sinn ist allumfassend <=> Antworten auf alle Fragen ergeben unsere Welt.

Unsere Welt besteht nicht aus Dingen, Substanzen und Ideen, sondern aus (vorläufigen) Antworten auf (alle möglichen) Fragen.

Fazit:

Sinn beschreibt die Einheit der Differenz von Frage und Antwort

Sinn oder Antworten (auf zuvor gestellte Fragen) können im kognitiven System als symmetrische Elemente betrachtet werden, die allerdings jederzeit wieder – und das ist typisch Mensch – aufgebrochen werden können.

Die Einschränkung unserer möglichen Fragen liegt im Kognitionsprozessor und letztlich im Wesen des Menschen, zum Beispiel die Beschränkung der räumlichen Wahrnehmung auf 3 Dimensionen.

Nicht nur neue Antworten auf bekannte Fragen bringen Entdeckungen mit sich, sondern vielmehr neue Fragen, die dann neue „Sinnfelder“ erschließen. Zum Beispiel: Newton sieht den Apfel vom Baum fallen und fragt sich. Warum fällt der Apfel vom Baum auf die Erde? Die Antwort auf die „neue“ Frage: Entdeckung der „Himmelsmechanik“.

(Gesicherte) Antworten – anhaltende Symmetrien – werden als Übereinkünfte (Wissen) über das soziale System an das psychische System herangetragen. Zum Beispiel über Schulbücher.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.