Neue Skripte

Seit dem Herbst 2013 bin ich wieder dran, die komplexe Thematik zu belichten.

Vor allem die Kommunikationstheorie nach Niklas Luhmann  rückt in den Mittelpunkt.

Luhmanns Augangspunkt für die Theorie der sozialen Systeme lautet: „Alles beginnt mit der Differenz.“  Mein Ausgangspunkt würde lauten: „Alles beginnt mit der Frage.“

Grundsätzlich besteht doch kein Unterschied zwischen Differenz und Frage, oder?

In der Metabetrachtung wird deutlich, dass Luhmann mit einem distanzierten Blick an sein Arbeitsgebiet Gesellschaft herangeht. Weil sich diese Distanz durch das gesamte Theoriegebäude zieht, wird sie auch als inhuman eingestuft. Es gibt ja auch den geflügelten Satz von Luhmann: „Der Mensch interessiert mich nicht.“  Der distanzierte Blick macht den Menschen – als psychisches System – in seinem sozialen Kontext zu einem informationsverarbeitenden Prozessor und damit zu einem eher passiven Teil des Geschehens. Wenn man Luhmann liest, ist diese Sichtweise quasi logisch, denn der Mensch als Sammelsurium von Systemen und Zuständen hat in einer Gesellschaft, die mit Kommunikation gleichgesetzt wird, wirklich nichts zu suchen.

Wenn nun der Ausgangspunkt der Betrachtung von „Differenz“ auf „Frage“ umgestellt wird, kommt etwas Leben oder Lebendiges ins Spiel. Denn die Differenz muss ja irgendwo erzeugt werden. Dem Menschenverstand folgend wird Differenz im Rahmen von Kommunikation durch eine Frage erzeugt. Das Fragen ist aktives Element menschlicher Sprache. Ausgangspunkt ist hierbei der Mensch als Teilnehmer einer Kommunikation. Wir rücken also von Distanz und Passivität hin zu mehr Nähe (am Menschlichen) und Aktivität.

Luhmann nimmt den Beobachter in die Betrachtung auf – also ein distanziertes „Wesen“ – welches unterscheidet und bezeichnet.  Wie wäre es stattdessen mit dem Menschen, der fragt und antwortet? Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Jeder Leser, der Luhmann ernshaft und ideologisch unvorbelastet liest, spürt in fast jeder Zeile, wie sich ein in sich abgeschlossenes Theoriegebäude entwickelt. Und die ist zu alledem erkenntnisorientiert. Mit jedem Buch und jeden Artikel begibt man sich auf einen Ritt durch den Zettelkasten. Die zirkuläre, distanzierte und in sich geschlossene Struktur der Theorie macht sie unantastbar. Vielleicht sind die malenden Hände von M. C. Escher- Drawings Hands eine Allegorie der Luhmann´schen Gesellschaftstheorie. Die Hände des Malers (Beobachter, der sich selbst beobachtet) sind zu sehen, aber der eigentliche Erzeuger „Mensch“ bleibt unsichtbar – von Anfang an.

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