Homo quaerens
Der binäre Code des Menschen

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11 Thesen

1. Alle Lebewesen sind evolutive Erscheiningen der belebten Natur.

2. Die Sprache oder allgemein Lautwelt ist ein Spiegel der Erkenntniswelt der Lebewesen.

3. Das Symbol der Menschensprache ist das Fragezeichen. Menschliche Kommunikation basiert auf der Fähigkeit zur Frage. Jedem Aussagesatz geht - implizit oder explizit - eine Frage voraus. Die Frage ist Ausgangspunkt menschlicher Sprache (und nicht umgekehrt) und sie bedingt den rekursiven Charakter menschlicher Kommunikation.

4. Die Sprache oder besser Verhaltenskoordination der Tiere ist einwertig bzw. kausal codiert. Das Symbol dieser Koordination ist das Ausrufezeichen. Die Koordination erfolgt mittels Signalen. Signale sind Wenn-Dann-Operationen und lassen gemäß Punkt 2 auf die kognitive Fähigkeit, kausale Zusammenhänge zu verarbeiten, schließen.

5. Die Sprache des Menschen ist nach Niklas Luhmann in Anlehnung an Ferdinand Saussure zweiwertig codiert. Der binäre Code der Sprache spiegelt den Symmetriebruch in der kognitiven Welterkenntnis des Menschen. Fragen bedeutet also, im Erkennen die Symmetrie zu brechen.

6. Die binäre Codierung der Kognition des Menschen erfordert eine Auswahl. Damit wird der Zweifel zwangsläufig Bestandteil menschlicher Erkenntnis. Der Zweifel ist die einzige menschliche Instanz, die nicht mehr in Frage gestellt werden kann. Der Zweifel kann somit als (Natur-)Konstante der Philosophie bezeichnet werden.

7. Die Negation ist eine Kategorie der Erkenntnistheorie Immanuel Kants. Den Zweifel finden wir als Negation in Kants Kategorientafel. Der Zweifel ist apriorische Bedingung der Möglichkeit menschlicher Erkenntnis. Wie die apriorische Kausalität zur Wenn-Dann-Analyse (bei Tier und Mensch) führt, führt der apriorische binäre Code (beim Menschen) zum Bruch der Symmetrie in der Erkenntnis und letztlich zum Zweifel und zur fragenden Kommunikation.

8. Die Evolution hat mit dem Zweifel bzw. mit der "Implementierung" des binären Codes vor ca. 9 Millionen Jahren eine bis dahin nicht dagewesene evolutive Entwicklungsstufe ausgelöst. Der binäre Code ist die Kerndifferenz, welche alle Unterschiede des Menschen zum Tier zum Grunde hat und ist somit Ursprung der Spezies Mensch und Keim alles Menschlichen.

9. Tiere sind voller Sinnlichkeit und besitzen emotionale Intelligenz. Doch die sprachliche Brücke zum Menschen ist und bleibt auf Wenn-Dann-Operationen also Signalen beschränkt. Denn Tier (Symbol: !) und Mensch (Symbol: ?) sind in ihrem a priori Erkenntnisgefüge verhaftet. Jeder Versuch, mit Tieren in menschlichen Sprachkontakt zu treten, ist vergebens und bei Übertreibung Tierquälerei.

10. Eine Staatsform, welches die Frage in den Mittelpunkt stellt, ist die menschlichste aller Gesellschaftsformen. Sie heißt Demokratie. Breite Bildung durch alle Gesellschaftsschichten hindurch ist ihre Voraussetzung. Eine Diktatur muss hingegen alles tun, um Fragen zu unterbinden. Sie verdrängt und vernichtet zuallererst die fragende Intelligenz.

11. Religion nimmt für sich in Anspruch, (einzig) alle - und damit auch metaphysische - Fragen beantworten zu können. Das befriedigt den tiefen Wunsch der Gläubigen nach Erlösung (von den Fragen). Zweifel und Verneinung sind per se nicht gestattet bzw. führen zum Ausschluss aus der Gemeinschaft bis hin zur Verfolgung und Vernichtung.

Diese 11 Thesen fassen in aller Kürze die gedanklichen Stationen der Theorie des Homo quaerens zusammen. Die Theorie verlangt ein Ausbrechen aus alten Denkgewohnheiten und konfrontiert den Leser mit neuen Begrifflichkeiten. Aus diesem Grunde habe ich Erläuterungen zu einzelnen Thesen hinzugefügt.

zu 1.) Basis des HQ ist die Evolutionstheorie wie sie von Charles Darwin entwickelt und in seinem Buch "Die Entstehung der Arten" im Jahre 1858 veröffentlicht wurde. Alle Lebewesen inkl. Mensch sind ein Ergebnis von Variation und Selektion. Wobei der Zufall in beiden Bereiche der beherrschende Faktor ist. Meine "Kritik der reinen Evolution" nimmt den Phasenübergang - die physikalische und systemtheoretische Beschreibung sprunghafter Ordnungszustände - mit in die Evolution auf.

zu 3.)
Es ist schwer, sich aus Denkgewohnheiten zu befreien. Der Satz: "Fähigkeit zur Frage ist Bestandteil der Sprache." ist falsch. Richtig ist: "Die Fähigkeit zur Frage hat die menschliche Sprache hervorgebracht."
 
zu 4. und 5.) Für viele Leser ist der Begriff der Codierung zu abstrakt. Wir können statt Codierung auch "Verdrahtung" des Gehirns sagen und meinen letztendlich die grundlegende kognitive Vorgehensweise unseres Verstandes.


zu 6.) Den Zweifel als letzte Instanz menschlicher Gewissheit zu verorten, geht natürlich René Descartes zurück. Descartes hat sein berühmtes Cogito ergo sum entwickelt über den Zweifel.
 

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